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Fischsaurier-Forschung im „Holzmaden Südamerikas“

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Dr. Erin Maxwell arbeitet in der Abteilung Paläontologie als Kuratorin für fossile aquatische Wirbeltiere.

Die Erforschungsgeschichte der Ichthyosaurier ist eng mit Baden-Württemberg verknüpft: Die ersten Fischsaurier fanden sich hier bereits im Jahr 1749 und Holzmaden wurde weltberühmt für seine hervorragend erhaltenen Meeresechsen aus dem Jurameer. Fischsaurier aus Holzmaden bereichern die Ausstellungen in fast allen wichtigen Naturkundemuseen – die bei weitem bedeutendste Sammlung befindet sich im Museum in Stuttgart.

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Junger Stenopterygius aus der Region Holzmaden mit Weichteilerhaltung, die den Körperumriss zeigt. Photo: Mike Eklund.

Die Ichthyosaurier aus Holzmaden verraten uns viel über das Aussehen und die Biologie dieser ausgestorbenen Reptilien. Durch Exemplare mit Weichteilerhaltung wissen wir zum Beispiel, dass Ichthyosaurier delfinartige Rückenflosse hatten, während die Schwanzflosse senkrecht stand wie bei einem Hai. Andere Fundstücke beweisen, dass sie keine Eier legten, sondern lebend gebärend waren. Die Jungen kamen im Wasser zur Welt.

So gut wir also über diese Tiergruppe Bescheid wissen: Die 183 Millionen Jahre alten Fossilien aus Holzmaden erschließen nur einen kleinen Teil der Evolution der Meeresechsen, die bis zur späten Kreidezeit in den Weltmeeren schwammen.

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Plaza Mayor, Villa de Leyva, Kolumbien. Photo: Erin Maxwell/SMNS

Um die Formenvielfalt und Paläobiologie geologisch jüngerer Ichthyosaurier zu erforschen, reiste ich mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)  nach Kolumbien in das „Holzmaden Südamerikas“. Villa de Leyva ist dort – wie Holzmaden bei uns – bekannt für seine Ammoniten und Ichthyosaurier, nur dass die Fossilien dort aus der Kreidezeit stammen und „nur“ 126 Millionen Jahre alt sind.

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Der Schädel von Platypterygius sachicarum im Museo Geológico Nacional José Royo y Gómez, Bogotá, Kolumbien. Photo: Erin Maxwell/SMNS

Aus Holzmaden wurden sieben verschiedene Arten an Fischsauriern beschrieben, die vom kleinen, Tintenfisch fressenden Stenopterygius bis hin zum Spitzenprädator Temnodontosaurus reichen. In der Kreidezeit beschränkten sich die Ichthyosaurier dagegen alle auf kleinere Beute. Die größten Räuber waren nun Pliosaurier wie Kronosaurus, die eine Schädellänge von 2,4 m erreichten und bis 37 cm lange Zähne hatten. Aus Kolumbien war bisher nur die 1997 beschriebene Art Platypterygius sachicarum bekannt.

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Kronosaurus boyacensis im Museo El Fósil, Villa de Leyva, Kolumbien. Photo: Erin Maxwell/SMNS

In Zusammenarbeit mit dem Centro de Investigaciones Paleontologicas (CIP) , konnte ich in Villa de Leyva bisher unbearbeitete Ichthyosaurier untersuchen. Die Fossilien sind dreidimensional erhalten, so dass detaillierte morphologische Beobachtungen und Vergleiche mit anderen Fischsauriern möglich sind. Meine Ergebnisse deuten auf neue Arten hin, die aber allesamt ein Gebiss aufweisen, das eher zum Erbeuten von Fischen oder Tintenfischen geeignet ist als zum Reißen größerer Beute, wie zum Beispiel andere marine Reptilien. Gemeinsam mit meinen Kollegen arbeiten wir zudem an einer Klärung der verwandtschaftlichen Beziehungen dieser südamerikanischen Ichthyosaurier.

Literatur:

Hampe, O. 1992. Ein großwüchsiger Pliosauridae (Reptilia: Plesiosauria) aus der Unterkreide (oberes Aptium) von Kolumbien. Courier Forschungsinstitut Senckenberg 145:1-32.

Páramo, M. E. 1997. Platypterygius sachicarum (Reptilia, Ichthyosauria) nueva especie del Cretacico de Colombia. Revista Ingeominas 6:1-12.

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